Chancen und Risiken von Jungunternehmern – ein Interview mit Hrn. Tarbauer

Chancen und Risiken von Jungunternehmern – ein Interview mit Hrn. Tarbauer
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Jürgen Tarbauer ist Gründer und Geschäftsführer der OMNES Marketingagentur und seit über zwei Jahren in der Jungen Wirtschaft Wien aktiv – seit Beginn dieses Jahres sogar als ihr Vorsitzender.

Herr Tarbauer, Sie führen Ihr eigenes Marketing-Unternehmen seit knapp 10 Jahren. Was waren die besten 3 und die schlimmsten 3 Erfahrungen seit der Unternehmensgründung?

Zu den besten Erfahrungen zählen auf jeden Fall die Anstellung meines ersten Mitarbeiters, der Gewinn des ersten Kunden und das Gefühl: WOW, ab jetzt machen wir Gewinn!

Mit einer der besten Erfahrungen kam auch gleichzeitig eine der schlechtesten: Sobald man nämlich einen Mitarbeiter anstellt, sieht man erst wie hoch die Lohnnebenkosten in Österreich wirklich sind. Schlimm waren auch die ersten Absagen bei Kundenpräsentationen und mein kurzer Ausflug ins  Verlagswesen, bei dem ich nach eineinhalb Jahren aus der Geschäftsführung und Gesellschaft ausgestiegen bin. Das hängte damals leider mit der falschen Partnerwahl zusammen.

Sie führen Ihr Unternehmen als Limited (Anm. Rechtsform in England) – warum?

Ich war bei meiner ersten Gründung als „eingetragener Unternehmer“ im Firmenbuch registriert, weil ich mir zu dem Zeitpunkt keine andere Unternehmensform leisten konnte und für das notwendige Stammkapital einer GmbH Gründung – immerhin 35.000€ – keinen Kredit aufnehmen wollte bzw. vermutlich gar keinen bekommen hätte. Gleich nach der Gründung erhielten wir große Werbemittel-Aufträge und mussten große Bestellungen in Fernost in Auftrag geben. Unsere damaligen Geschäftspartner kannten den Ausdruck „e.U.“ gar nicht – sie dachten diesen Zusatz müssen alle Firmen aus der EU tragen.

Ich haftete als eingetragener Unternehmer mit meinem gesamten Privatvermögen und die Aufträge mussten schnell abgeschlossen werden, es herrschte also Zeitdruck. Ich brauchte einfach eine Kapitalgesellschaft aus Haftungsgründen, das war noch weit vor der Möglichkeit einer GmbH-light. In Hongkong sind Limiteds weit verbreitet und ohne viel Bürokratie bzw. finanziellen Aufwand zu gründen. Damals war Österreich noch nicht so weit und man wurde gezwungen entweder ins Ausland zu gehen, oder sich massiv zu verschulden. Mittlerweile hat sich da ja viel getan was schnellere und unkompliziertere Gründungen angeht, aber leider wurde auch wieder viel zurückgenommen – die GmbH-light zum Beispiel. Hätte ich es mir damals leisten können eine GmbH zu gründen, hätte ich es auch so gemacht.

Wie sieht die Lage hinsichtlich ‚Gründen in Österreich‘ aus Ihrer Sicht aus? Was sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme in der Gründerszene in Österreich?

Jeder freut sich über Neugründungen. Oft sind wir dabei aber auch zu euphorisch, man soll meiner Meinung nach ruhig auch das Kritische betrachten: Zurzeit beschäftigen uns vor allem die derzeitige Finanzierungssituation und der wirtschaftliche Druck durch zu hohe Lohnnebenkosten. Banken verlangen extrem hohe Sicherheiten bevor sie Kredite vergeben und die wichtigste Unternehmensressource – unsere Mitarbeiter – werden durch die hohen Abgaben und Lohnnebenkosten, einerseits  immer teurer, andererseits wird es auch immer schwerer und teurer gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Als Junge Wirtschaft haben wir mit der Durchsetzung des neuen Crowdfunding- Gesetzes,  unserem Einsatz für einen Businessangel-Freibetrag  und unseren Vorschlägen zum Ausbau von Mitarbeiterbeteiligungsformen versucht auf diese Probleme zu reagieren. Letztendlich muss die Politik wieder auf Gründer und Jungunternehmer zugehen, ihre Probleme ernst nehmen und unsere Vorschläge dazu aufgreifen, dann geht auch wieder etwas weiter!

Wie stehen Sie dem „Scheitern als Chance“ gegenüber?

„Aufstehen, Krone richten, weitergehen“ – Ich bin dagegen das Scheitern zu romantisieren. Niemand scheitert gerne, es soll nicht zum Ziel werden und es ist auch keine Auszeichnung, wenn man gescheitert ist. Scheitern muss aber gesellschaftlich erlaubt sein, es soll niemandem als Makel oder Fehler  angehängt bleiben.  Vielmehr müssen wir eine Kultur des „wieder Aufstehens“ erschaffen! Ich bin auch gescheitert, aber nicht das Scheitern hat mich stark gemacht, sondern das wieder aufstehen.

Wenn Sie 5 Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für Österreichs Start-Ups wünschen?

  • Wir brauchen noch bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen, wir sind da erst am Anfang: Mitarbeiterbeteiligungen ausbauen, Lehrlingsausbildung individualisieren und flexibilisieren, Lohnnebenkosten senken!
  • Einführung eines Businessangel-Freibetrags von 50.000€!
  • Imagepolitur für alle Gründer- und UnternehmerInnen, nicht nur für digitalisierte Start-ups, denn auch ein innovatives Handwerk kann ein Start-up sein. Wir dürfen unsere „klassischen Unternehmer“ und ihre Probleme nicht aus den Augen verlieren!
  • Die Sorgen und Probleme der UnternehmerInnen müssen wieder mehr Gehör bei den politischen Entscheidungsträgern finden!
  • Der Hype um Neugründungen soll nicht überstrapaziert werden!

Was ist beim Gründen zu beachten? Welche Tipps haben Sie für unsere Gründer und Jungunternehmer?

Man braucht viel Ausdauer und Durchhaltevermögen! Es ist wichtig sich selbst und seiner Linie treu zu bleiben und auch an sich, seine Fähigkeiten und an seine Ideen zu glauben. Ein gutes Netzwerk aus anderen Gründern und Jungunternehmern kann niemals schaden, schließlich ist es leichter aus den Erfahrungen von anderen Menschen zu lernen. Niemand muss das Rad gänzlich neu erfinden!

Welche Möglichkeiten haben Jungunternehmer sich Unterstützung in den verschiedenen Disziplinen zu holen?

Ich kann allen Menschen wirklich nur raten sich möglichst früh und ausgiebig zu informieren! Es gibt so viele Beratungsdienstleistungen, Serviceeinrichtungen und Experten, die einem vor, während und nach der Gründung zur Seite stehen. Am besten informiert man sich darüber als erstes bei der Wirtschaftskammer und nutzt die umfangreiche Hilfe des Gründungscenters. Wer sich die Tipps & Tricks lieber direkt von Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Praxis holen möchte, dem kann ich den Jungunternehmertag und unsere monatliche Netzwerkveranstaltung, das AFTER-WORK-NETWORK nur empfehlen. Ich hoffe wir sehen uns!

Was ist der Jungunternehmertag?

Der Jungunternehmertag ist DIE jährliche Veranstaltung der Österreichischen Gründerszene und feiert heuer bereits sein 25-jähriges Jubiläum. Dabei warten spannende Vorträge, praktische Workshop-Einheiten und eine abwechslungsreiche Fachausstellung darauf entdeckt zu werden.
Das Motto heuer lautet: Scheitern erlaubt

Jungunternehmertag_2015_wien

Für wen ist der Jungunternehmertag?

Bei freiem Eintritt können sich JungunternehmerInnen, Start-Ups, potentielle GründerInnen, SchülerInnen und Studierende und alle unternehmerisch denkenden Menschen die wichtigsten Informationen zum Schritt in die Selbstständigkeit und praktische Tipps zum Unternehmertum holen.

Warum muss ich den Jungunternehmertag besuchen?

Weil alle Informationen, die man benötigt, an diesem Tag von Profis kompakt aufbereitet und verständlich weitergegeben werden. Dabei werden alle unternehmensrelevanten Themengebiete – von Gründungs- und Steuerbasics, über die Erstellung von Businessplänen und Tipps zu Förderungen und Beihilfen, bis hin zum 1×1 von Online Marketing und Crowdfunding – behandelt. Noch dazu kann man sich kostenlos für ein professionelles Fotoshooting oder für das neue Business-Speed Dating „Shuffle for money“ anmelden. Außerdem warten ein Gewinnspiel mit hochkarätigen Preisen, Getränkegutscheine für alle Besucher und unzählige neue Businesskontakte auf die Besucher. Warum sollte man sich das freiwillig entgehen lassen?

Daten und Fakten zum Jungunternehmertag

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Patrizia

Gründer und CEO bei webdots GmbH
Patrizia Faschang ist Gründerin und leidenschaftliches Online Marketier bei webdots.at. webdots hat ihren Sitz in Altheim (zwischen Oberösterreich und Salzburg) und ist ein fairer Partner für alle Themen im Bereich Website- & OnlineShop Entwicklung, SEO (Suchmaschinenoptimierung), SEM / AdWords und Online Marketing. Hauptzielgruppe sind Gründer, EPU, KMU und Vereine.

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Ein Gedanke zu „Chancen und Risiken von Jungunternehmern – ein Interview mit Hrn. Tarbauer“

  1. Hallo Patrizia!
    Das ist ein sehr interessantes Interview. Jungunternehmer bzw. Unternehmensgründer haben es nicht gerade leicht. Viele informieren sich aber auch nicht gut genug darüber, was wirklich alles an Kosten und Arbeit anfällt. Denn man kann als Unternehmer nicht wie als Angestellter weiterarbeiten.
    Ich hätte hier auch noch ein paar Tipps, womit überprüft werden kann, on jemand für eine Unternehmensgründung wirklich bereit ist: https://www.youtube.com/watch?v=coVVybqKP4Y&index=1&list=PLp21M5oHbM2YkbNtlmSsloTKlJPSzhkex

    Jedoch sollte sich auch in unserem System etwas verändern, damit Jungunternehmer bessere Chancen haben, ihre Selbständigkeit zu leben.

    LG Marko

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