Braucht ein EPU einen Steuerberater?

Braucht ein EPU einen Steuerberater?
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Der Gründerblog hat mit Fachleuten aus der Branche gesprochen,  ob ein EPU (EinPersonenUnternehmen) oder GründerIn  gleich zu Beginn der Selbstständigkeit einen Steuerberater einbeziehen soll oder ob man sich das Geld nicht einfach sparen kann.  Die Fragestellung ist komplex, die Antwort auch.

Im Prinzip kann jeder, der einen HAK-Abschluss hat,  seine Einnahmen- und Ausgabenlisten selber führen.  Auch genügend Software ist am Markt, die einen dabei unterstützen könnte.  Bei Unternehmen mit wenigen gleichartigen Posten wie z. B. bei  Physiotherapeuten kann das völlig ausreichen. Fallen keine besonderen Investitionen, Leasinggebühren, Versicherungsabschlüsse an, kann die Gründerin oder der Gründer das selbst erledigen. Ohne Gewähr.

Fehler vermeiden

Der Buchhalter oder eben doch der Steuerberater kann eventuelle Fehler beim Jahresabschluss herausnehmen. Einen Buchhalter sollte man aber auf Dauer schon einbeziehen, entweder schon bei der Gründung, oder beim Jahresabschluss – einfach um Fehler zu vermeiden, meint Peter Bauer von der startzentrum GmbH.

Fehler, die sich erst mal eingeschlichen haben,  wird man mitunter schwer wieder los und damit gehen Steuervorteile verloren oder was noch schlimmer ist, das Finanzamt wird unwissentlich betrogen.  Wer nie professionelle Unterstützung in Anspruch genommen hat, kann auch nicht wissen, welche Fehler er macht. Die Tücken liegen oft im Detail von z.B. Leasingverträgen oder Versicherungen mit unterschiedlichen Steuersätzen.

Ein guter Buchhalter, der vielleicht auch noch auf Gründer spezialisiert ist, könne auch helfen Barrieren im Kopf abzubauen.

Peter Bauer will auch den Horizont erweitern!
Peter Bauer will auch den Horizont erweitern!

„Manchmal trauen sich Unternehmer nicht, den nächsten Schritt zu machen. Hier kann ein erfahrener Buchhalter den Horizont erweitern und den Weg in neue Dimensionen ebnen.“

Peter Bauer, startzentrum GmbH

Die Sätze der Steuerberater können allgemein in ziemlich luftige Höhen schießen. Wer also mit einem erfahrenen Buchhalter auskommt, hat hier als EPU und Gründer ein großes Einsparungspotenzial.

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Georg Gittmaier sieht das Thema so:

gittmaier - Steuerberater aus Ried„Simple Unternehmen können ihre Steuererklärung selber erledigen. Für ausgewählte Branchen gibt es sogar Steuerpauschalen, die eine große Vereinfachung darstellen.“

Georg Gittmaier, Steuerberater & Wirtschaftsprüfer

Wer den Steuerabschluss selbst erledigen möchte, kann  auf  Vorlagen vom Finanzamt zurückgreifen,  in denen die Aufzeichnungspflichten festgehalten sind.  Es reicht dann eine Gewinnermittlung und eine Einnahmen- und Ausgabenrechnung einzureichen. Vorsichtig solle man als EPU bei einer komplexen Gründung, Übernahme oder Innovation sein, warnt Gittmaier. Denn hier können Förderungen lukriert werden, die für den Beginner oft gar nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Es gibt zu den bekannten neuen  Start-Up-Prämien für Gründer seitens der WKO  auch andere Geldquellen, die zusätzlich erschlossen werden können. Hier kann Beratung bares Geld wert sein und die höheren Kosten einer Kanzlei sehr schnell wettmachen.

Eine Gefahr, auf die Gittmaier außerdem hinweist, sind Steuerschulden bei Übernahmen, die vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

Wann ein Steuerberater doch nötig ist!

Ein Detail am Rande:  sollte jemand ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme jenseits von 9,68 Mio. übernehmen, dann darf ein Bilanzbuchhalter den Abschluss nicht mehr machen.  Die entsprechende Bilanzsumme läge bei 4,48 Mio. Euro, erklärt Bilanzbuchhalter Andreas Kickinger.  Ab hier ist ein Steuerberater Pflicht.

Mit solchen Sorgen werden allerdings die wenigsten EPUs belastet sein.  Kickinger rät bei kleineren EPUs zu Bilanzbuchhaltern, weil sie die Aufgabe genauso erfüllen und vom Kostensatz her um einiges günstiger sind. Die Kosten sollten im Vorhinein abgeklärt werden:

Portraitbild Andreas Kickinger
Andreas Kickinger bringt es auf den Punkt ;-))

„Nur Telefonprovider und Chinarestaurant haben Flatrates“

Andreas Kickinger, Bilanzbuchhaltung

Kickinger hat folgenden Fahrplan für ein EPU: Zuerst zur WKO, da es dort Beratungsförderungen gibt, die im vornherein beantragt werden müssen. Erstgespräche bei Steuerberater und Bilanzbuchhalter vereinbaren, und wenn es sich um 2 oder 10 Erstgespräche handelt. Man sollte sich aber schon vergewissern, dass das Erstgespräch auch wirklich kostenlos ist.

Viele Bilanzbuchhalter und Steuerberater arbeiten auch zusammen, um den optimalen Beratungsmix zu bieten. Bei Förderungen kann man auch zusätzlich externe Förderberater hinzuziehen, die nehmen zwischen 10 und 25% der Fördersumme in Anspruch.

Hilfreich kann auch das AMS sein. Mit dem oberösterreichischen Förderprogramm unterstützt das AMS Gründer über den ÖSB, einem ausgegliederten Institut.  Hier kann man sich zwischen vier und sechs Monaten beraten lassen und Fragen stellen – das Gründungsförderungsprogramm ist für all jene interessant, die vor der Unternehmensgründung arbeitslos sind.

Einen weitere Möglichkeit haben wir überprüft:  Hier bekommen Gründer einen Gutschein auf den ersten Jahresabschluss im Wert von 200 Euro. Es nennt sich Gründerbox, ist ein Produkt der Kammer für Wirtschaftstreuhänder und wurde von Joachim Aigner erprobt und wurde uns als seriös empfohlen.

Unsere Tipps

  • die Preise der Buchhalter und Steuerberater sind sehr unterschiedlich. Hier kann es sich bei einem EPU locker um einige Hunderter und mehr handeln. Hole also immer mehrere Angebote ein und vergleiche diese!
  • Der Preisvergleich lohnt sich genauso wie den Anbieter im Bedarfsfall zu wechseln. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Nerven.
  • Erstgespräche sind meist kostenlos und sind eine perfekte Möglichkeit zu testen, ob man auch auf der persönlichen Ebene mit dem Steuerberater oder Buchhalter kann. Also intensiv nutzen!
  • Preise im Vorhinein klären um böse Überraschungen zu vermeiden. Z. B. können in der Rechnung Telefonate oder Kurzberatungen auftauchen.

Fazit: Brauche ich als EPU einen Steuerberater?

Also erstmal kennen viele Unternehmer und Gründer den Unterschied zwischen Steuerberater und Bilanzbuchhalter nicht bzw. wissen viele nicht, dass auch ein Bilanzbuchhalter die Zahlen eines Unternehmens jonglieren kann.

Jeder Unternehmer sollte sich bevor er diese Entscheidung trifft, umfangreich informieren und die kostenlosen Beratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Man muss sich immer bewusst sein, was man selber schaffen kann und wie gut man diese Dinge erledigen kann.

So hat Patrizia zum Beispiel in den ersten 2 Jahren ihrer Selbstständigkeit die Zahlen selbst verwaltet. Den Jahresabschluss hat dann der Steuerberater übernommen. Da die Kosten für den Jahresabschluss jedoch ungefähr den gesamten jährlichen Kosten der Buchhaltung entsprochen hätten, hat sie sich dann 2012 dazu entschieden die Buchhaltung in professionelle Hände zu legen. Sowohl aus Zeit-, als auch aus Kostengründen. Sie musste aber einige Rückschläge in Kauf nehmen und hat erst beim dritten Anlauf den für Sie richtigen Partner gefunden. Daher auch die Empfehlung sich wirklich gut zu informieren und die kostenlosen Erstberatungsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen!

Unsere Quellen für diesen Artikel

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Patrizia

Gründer und CEO bei webdots GmbH
Patrizia Faschang ist Gründerin und leidenschaftliches Online Marketier bei webdots.at. webdots hat ihren Sitz in Altheim (zwischen Oberösterreich und Salzburg) und ist ein fairer Partner für alle Themen im Bereich Website- & OnlineShop Entwicklung, SEO (Suchmaschinenoptimierung), SEM / AdWords und Online Marketing. Hauptzielgruppe sind Gründer, EPU, KMU und Vereine.

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2 Gedanken zu „Braucht ein EPU einen Steuerberater?“

  1. Als Gründer wusste ich gar nicht, dass es ein Unterschied zwischen ein Steuerberater und Bilanzbuchhalter gibt. Als ein Kleinunternehmer will ich natürlich Geld sparen und keinen Steuerberater bezahlen. Jetzt denke ich ein bisschen anderes

  2. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man am besten Fehler vermeiden kann, indem man von Anfang an mit einem Fachmann zusammen arbeitet. Als ich meine kleine Firma gegründet habe, hat mich dabei ein Steuerberater in Hamm (http://www.ecandes.de/) unterstützt und super beraten. Wenn es Fragen oder Probleme meinerseits gab, wurden die immer sehr schnell bearbeitet und gelöst, sodass ich mich dort gut aufgehoben gefühlt habe.

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